Thursday, June 26, 2008

Tour de l'EuroAirport

Ja, ich bin wahnsinnig. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber sie wurde während der Europameisterschaft mal wieder neu definiert. 250 Kilometer habe ich per Fahrrad zurückgelegt, und das innert knapper drei Wochen. Physisch sollte ich mich eigentlich in Hochform befinden. Hier nun also ein paar Eindrücke, quasi live von den jeweiligen Etappen:

Kilometer 0: Ja, wann kommen denn jetzt die Tschechen? 10 Uhr, 12 Uhr? Irgendwo zwischendrin? Fahren wir also einfach mal los, lassen den Zähler anlaufen. Noch ist nicht abzusehen wie das ganze hier enden wird...

Kilometer 18: Der erste Flieger ist im Sack, die später siegreichen Tschechen sind fürs Spiel gegen die Schweizer eingetroffen. Das Wetter, ähm, ja, es fand statt. Mehr aber auch nicht ...

Kilometer 36: Was für ein Tag, was für ein Scheisswetter. Ebenso viele neue wie der EM-Tacho an Kilometern anzeigt und dennoch wohl kein einziges schönes Bild. Der dunkle Hintergrund hilft wohl mal wieder aus dem Schlamassel. Und zu allem Überfluss verletzt sich auch noch Alexander der Mittelgrosse und die Schweizer tun was sie so gut beherrschen. Ehrenvoll verlieren ...

Kilometer 54: Wir haben Montag, nun sind die Holländer mit den Chartern an die Reihe. Netterweise beglücken sie Basel mit vielen dollen Fliegern, auch wenn das Spiel 100 km weiter, in Bern, stattfindet. Und auf gehts ...

Kilometer 67: Fuck, zu spät. Ich hatte ultraknapp den rumänischen Präsidenten und seine Nuller anvisiert. Jetzt nimmt der mir am Kreisel mit seinem Konvoi die Vorfahrt. Völlig ausgelaugt treff ich am Heligrill in Zürich Oli und seine Engländer...

Kilometer 82: Es ist bald Mitternacht, immer noch Montag, und ich treffe todmüde daheim ein. Rumänien hat Frankreich ein Unentschieden abgekämpft und Italien wurde von Holland geteert und gefedert. Und ich hab von all dem nichts gesehen. Aber ich hab die Nuller im Sack. Manchmal im Leben muss man Prioritäten setzen...

Kilometer 100: Jawoll, die 100 ist voll und die Holländer wieder daheim. Zwar hätte das Wetter besser sein können, aber für eine SunCountry und eine Eastern hats dennoch gereicht. Erstmals an dieser EM wurde ich vom Südanflug überrascht.

Kilometer 118: Diesmal gabs zu den Holländern noch die Franzosen hinzu. Da Fusballcharter vor allem beim grösseren Material eine Exklusiv-Veranstaltung am Vormittag sind, ist der "Arbeitstag" auch recht früh wieder zu Ende. So geht es rechtzeitig ins Wochenende...

Kilometer 136: Trotz Südanflug die 9 Kilometer ans Belvedere und wieder heim abgestrampelt und das im Grunde genommen für einen Flieger. Der SATA A310 war mir aber wichtig genug und das Brettlicht ein weiteres Argument für eine weitere Trainings-Session...

Kilometer 154: Schon wieder so ein grauer Tag. Aber so gross waren die Charter noch nie. Zum Glück haben die Portugiesen so weit hier her, dass es nicht reicht, um den selben Flieger mehrmals her zu schicken. Nach dem blauen Trikot vom Freitag ist die deutsche Fahne schon das zweite fremde Fan-Emblem, das meinen Körper umgibt. Aber sie fühlte sich gut an ... ;)

Kilometer 156: Mist, die Mission SATA die zweite war ein Rohrkrepierer. Der Bock war früher airborne als ich dachte. Und so gings statt zum spotten halt auf der Direttissima zum einkaufen...

Kilometer 176: Nicht zu glauben, schon wieder grau. Aber zum Glück läuft auch nicht besonders viel und so ist auch dieser "Arbeitstag" nach dem essentiellen Material (Hamburg International A319, Luxair 737-700) wieder erledigt. Im Grossen und Ganzen war das ne Mittagspause am Belvedere, wie sie etliche Leute aus der Umgebung sicherlich kennen....

Kilometer 194: Nichts los an der Charterfront, aber Brettlicht und ein kleines Linien-Highlight. Also nichts wie raus und die Sonne geniessen, zum ersten Mal ein EURO-Abend. Und der Fleissige wird belohnt: Kurz vor Feierabend geht ein geiler Privatjet raus und ein noch geilerer kommt rein... :)

Kilometer 212: Was für ein Tag! Die Portugiesen sorgten für einen gewaltigen Auftakt in Form einer Air Europa 767 und einem SATA A310. Doch die Deutschen hielten gut dagegen und schliesslich trafen nicht einmal eine Stunde vor Spielbeginn zwei Challenger der Flugbereitschaft der Luftwaffe ein. Und etwa so kam dann das Spiel daher. 3-2 für Deutschland...

Kilometer 232: Das Wetter wieder voll am Anschlag, Sonne ohne Ende. Die Spotter sind zahlreich vertreten wie noch nie an dieser EURO. Und es herrscht eine friedliche Stimmung wie noch nie. Ob es daran liegt, dass die französischen Grossmäuler durch Niederlagen gestopft worden waren? Die Russen bringen uns zwar um etliche Airlinercharter, aber die paar Biz-Rosinen waren den langen Nachmittag wert. Und nun noch ein paar alte Bekannte und -innen getroffen, was will man mehr...

Kilometer 241: Und auf einmal kommt alles zusammen, der Flugplan zählt 80 Privatjets an einem Tag. Natürlich kommen nicht alle, aber die die kommen, die haben es in sich. Aber da war noch was: Mitte Nachmittag wird die Bahn gedreht, fortan von Süden gelandet. Als Spotter, der gerne das Optimum rausholt und ungern was verpasst, wechsle ich die Position. Das geht gut bis... Bis der Scheich kommt. Der will doch tatsächlich wieder von Norden rein. Kurzes Zögern und da passierts. Auf Kurs 080, aufs Belvedere gerichtet, schaff ich es noch auf die Wiese, aber knipsen liegt nicht mehr drin. Verloren gegen A7-HHH, um ein paar Sekunden...

Kilometer 250: Er liegt nun schon mehr als 24 Stunden zurück. Ich habe das Fahrrad nicht angefasst seither. Aber ich habe das Gefühl, dass die Mühen sich gelohnt haben. Eigentlich könnte jedes Jahr Euro hier im Land sein. So fit fühlte ich mich schon eine Weile nicht mehr...

Gruss

JOELATBSL

1 comment:

Mike Steffen said...

Hallo
Sehr gut geschrieben, dies war meine "Gute-Nacht"-Geschichte heute! Vielen Dank!!! Gruss Mike Steffen